Nizzafahrt 2018 [mit vielen Bildern]

„Zabelhaft“ – das würde Frau Heuer sagen, wenn sie unsere Nizza Reise beschreiben sollte. Von Henry Matisse und Marc Chagall bis Pablo Picasso, von den beschaulichen Gassen von Grass und St. Paul de Vence bis zum Stadtstaat Monaco, kurz, die gesamte Reise einschließlich des Hotels, der Busfahrt und unserer Lehrer, war ein ganz besonderes Ereignis, in jeder Hinsicht. Am 14.12.2018 um 17 Uhr trafen wir uns am Busbahnhof, verstauten unser Gepäck und versuchten für die 12-stündige Fahrt den bestmöglichen Sitzplatz zu ergattern. Wir überschritten die Grenzen von Italien, der Schweiz, Monaco und schließlich des eigentlichen Zieles: Frankreich.

Der Bus hielt vor der Haustür des Hotels, was uns zwar einige strafende Augenpaare einbrachte, uns die Vorfreude auf Kommendes jedoch nicht verdarb. Es folgten

die Verhaltensregeln auf Französisch. Wir schauten ein wenig konsterniert, als selbiger Vortragender im Anschluss seine Rede noch einmal in fließendem Deutsch zum Besten gab. In den uns zugewiesenen Zimmern richteten wir uns im Anschluss häuslich ein (einige zu häuslich, da wollen wir ungern zum Abendessen eingeladen werden). Das abwechslungsreiche Programm sah im Folgenden einen Besuch im Henri-Matisse-Museum vor, wobei unsere Französischkenntnisse erneut vor eine Herausforderung gestellt wurden -Bei der Anmeldung an der Museumskasse. Nachdem auch diese Hürde genommen war, bestaunten wir die von flächenhafter Farbgebung und spannungsgeladenen Linien getragenen Werke von einem der bedeutendsten Künstler der klassischen Moderne. Die Scherenschnitte und abstrakten Werke waren nur ein Vorgeschmack auf die Besichtigung der eigens von Matisse als Gesamtkunstwerk entworfenen Kirche, welche wir Tage später besichtigten.

Anschließend hatten wir Zeit zur freien Verfügung und die Nachmittags- und Abendgestaltung übernahm jede Gruppe selbst. Eine Entdeckungstour durch Nizzas Innenstadt oder ein Spaziergang am Meer waren dabei nur zwei von vielen Möglichkeiten.

Wir starteten mit einem vorzüglichen Sonntagsfrühstück in den regnerischen Tag, welcher tatsächlich nur zur Museumsbesichtigung taugte. Die Besichtigung des Picasso Museums in Antibes war dafür umso eindrucksvoller und so mancher Schüler sammelte hier Materialien für seine Kunstaufgaben, welche es zu erledigen galt. Das Wetter klärte sich ein wenig auf und wir konnten uns trocknen Fußes dem nächsten Museum widmen. Ein Impressionist war einst der Inhaber eines malerischen Landhäuschens mit einem traumhaften Garten gewesen, welcher ihn sicherlich zu dem einen oder anderen Bild inspiriert hatte. Auch wir konnten der Versuchung, Fotos zu schießen nicht wiederstehen. Durch einen gut organisierten Tagesplan besuchten wir noch die zum Teil verwinkelte Filmstadt Cannes. Wir bekamen Freizeit und nutzten diese in kleinen Gruppen, bis wir uns geschafft aber zufrieden auf den Rückweg nach Nizza begaben.

Am nächsten Tag besuchten wir früh den botanischen Garten in Eze. Hier bot sich abermals die Gelegenheit, eindrucksvolle Fotos zu schießen. Im Anschluss nahmen wir uns das monegassische Fürstentum vor. Dafür, dass Monaco eine Fläche von 202 Hektar umfasst aber eine Bevölkerungsdichte von 19.000 Einwohnern pro Quadratkilometer aufweist, war die Stadt so sauber, dass man denken konnte, sie wäre eben erst aus der Cote d‘Azur erwachsen. Diese These bestätigte uns der sich verstärkende Baulärm, je dichter wir uns dem Zentrum des zweitkleinsten Staates der Erde nährten. Überall wurde gebaut und ausgebessert, an fast jeder Straßenecke sahen wir Handwerker oder Gärtner. Was wir nicht sahen, das waren Leute wie du und ich. Entweder, die Monegassen arbeiteten, oder sie waren reich. Etwas dazwischen gab es augenscheinlich nicht. Wir sahen Superreiche, die uns spüren ließen, dass sie uns auch wahrnahmen – indem sie uns ignorierten. Hatten wir in der Schule noch etwa von einer Schere zwischen Arm und Reich gehört, so sahen wir sie hier an der französischen Mittelmeerküste live und in Farbe. Diese Eindrücke werden uns sicherlich im Gedächtnis bleiben, spätestens wenn wir die Kameraaufzeichnungen des 17.12.2018 zwischen 12 und 17 Uhr ansehen. Die Blicke der Kameras klebten uns wie Kaugummis am Rücken, verfolgten uns geduldig aber penetrant und gaben uns erst an der Staatsgrenze wieder frei. Unsere Besichtigungstour war jedoch noch lange nicht beendet, sie fing gerade erst an: Frau Löffler hatte eine Nachtfahrt durch Nizza organisiert! Eine Reiseführerin machte uns auf Details im nächtlichen Nizza aufmerksam und brachte uns die Stadtgeschichte ein wenig näher: „In der heute fünftgrößten Stadt Frankreichs lebten vor rund 130.000 Jahren noch Neandertaler. Dabei ist anzumerken, dass…“ Unmittelbar nach Beginn des geschichtlichen Vortrages fanden einige der Schüler überraschenderweise wieder Interesse an der vorbeifahrenden Landschaft. Sie freuten sich umso mehr, als wir wieder vor den Toren des Hotels standen und ließen den Abend auf ihre Weise ausklingen.

Am Dienstag trafen wir in der vielgelobten, von Henri Matisse ausgestalteten Kirche ein. Sie war in ein schlichtes Weiß gekleidet, nur geziert durch die abstrakte Darstellung des Leidensweges Christi, einem Altar, lichtdurchflutender Glasfenster und einer kleinen Galerie. Uns wurde ein französischer Vortrag über die Entstehung des Gotteshauses gehalten, welchem viele mit Interesse folgten. An diesem Tag bekamen wir viel Freizeit zur Verfügung gestellt, welche in Spaziergängen, Einkaufstouren, Fotosessions, Restaurantbesuchen oder Museumsrundgängen mündeten. Mit schnellen Schritten bewegten wir uns auf die Rückreise zu und so wollte jeder noch mindestens ein Souvenir für den heimischen Kühlschrank oder das Küchenregal ergattern. Der nächste Tag beweinte unsere Abreise gleich mit einem stetigen Nieselregen, welcher uns aber nicht im Geringsten bei der Besichtigung des Chagall Museums zum Abschluss der Reise störte. Viel zu schnell saßen wir wieder im Bus auf unseren angestammten Plätzen und ließen die nun liebgewonnene Stadt Nizza zurück. Pünktlich um 8 Uhr trafen wir wieder in Gera ein und verabschiedeten uns von so manchem neu gewonnenen Freund.

An dieser Stelle möchten wir uns bei den begleitenden Lehren Frau Löffler, Frau Heuer und Herrn Kakuschke bedanken. Ihre Nerven verkrafteten die laute Musik sowie die Strapazen der verloren geglaubten Geldbörse… In dieser Woche schossen wir zusammen so viele Fotos, dass sie für ein eigenes Museum reichen würden. Die Vorbereitung eines so umfangreichen, vielseitigen Programmes ist hier besonders hervorzuheben. Danke vor allem an Frau Löffler! Wir freuen uns auf die nächste Fahrt!

Johanna Biele, A19DE3
Bilder: L. Kakuschke

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